Im Mai 2020 hat die Stiftung Warentest 18 Haferdrinks ins Labor geschickt. Das Ergebnis in einem Satz: 14 der 18 Produkte bekamen ein gutes Gesamturteil, drei schmeckten den Testern sehr gut, kein Produkt fiel durch. Für eine Produktgruppe, die vor fünf Jahren noch im Bioladen-Regal versteckt war, ist das ein bemerkenswert glattes Zeugnis. Trotzdem lohnt es sich, genauer hinzuschauen, was da eigentlich geprüft wurde und was nicht.
Was die Tester gemessen haben
Der Test folgt dem üblichen Warentest-Schema. Den größten Anteil am Urteil hat die sensorische Prüfung: geschulte Verkoster bewerten Geruch, Geschmack, Mundgefühl und Nachgeschmack pur und im Vergleich. Dazu kommen Laboranalysen auf Schadstoffe, darunter Schimmelpilzgifte wie Deoxynivalenol, außerdem Nickel, Mineralölbestandteile und Keime. Geprüft wurden auch die Nährwertangaben, also ob das, was auf der Packung steht, mit dem übereinstimmt was im Labor herauskommt, sowie Verpackung und Deklaration.
Bei den Schadstoffen gab es 2020 keine bösen Überraschungen. Die gemessenen Werte lagen durchweg unter den Grenzwerten oder Orientierungswerten. Das ist die eigentlich wichtige Nachricht dieses Tests: Haferdrinks waren 2020 ein sauberes Lebensmittel, unabhängig davon ob Marke oder Eigenmarke, Bio oder konventionell.
Was der Test nicht messen konnte
Drei Dinge fehlen und die sind für viele Käufer entscheidender als ein Geschmacksurteil aus dem Labor.
Erstens der Kaffee. 2020 wurde pur verkostet. Wie ein Drink im Espresso reagiert, ob er flockt, ob er schäumt, kam nicht vor. Genau das ist aber der Grund warum die meisten Menschen zu Barista-Varianten greifen. Ein Drink, der pur sehr gut schmeckt, kann im Cappuccino gerinnen.
Zweitens die Nährstoffe. Warentest hat die Nährwerte geprüft, aber kein Urteil darüber gefällt, ob ein Haferdrink Milch ersetzen kann. Ohne Anreicherung fehlt fast allen Produkten Calcium, Jod, B2 und B12. Wer den Drink als einzigen Milchersatz nutzt, erfährt aus dem Test nicht, welches Produkt diese Lücke schließt.
Drittens die Zeit. Ein Test ist eine Momentaufnahme der Rezeptur, die im Sommer 2020 im Regal stand. Seitdem haben viele Hersteller Zutaten geändert, Handelsmarken haben Lieferanten gewechselt und einige Produkte gibt es nicht mehr. Ein "Testsieger 2020" sagt über die Packung, die du heute kaufst, wenig aus. Das ist keine Kritik an der Stiftung Warentest, sondern die Natur eines Tests.
Auch die Deklaration hatte Schwächen, die im Test angemerkt wurden: Bei einigen Produkten fehlte der Hinweis, dass der Drink von Natur aus Zucker enthält, obwohl "ohne Zuckerzusatz" auf der Vorderseite stand. Das ist rechtlich vorgeschrieben und einer der Punkte, den wir bis heute bei jedem Etikett prüfen.
Warum Haferdrinks so gut abschneiden
Die Produktgruppe ist technisch einfacher als sie klingt. Wasser, Hafer, etwas Öl, Salz, bei manchen ein Säureregulator. Wenig Zutaten, wenig Fehlerquellen. Der enzymatische Stärkeabbau ist ein etabliertes Verfahren und die Hersteller, die 2020 auf dem Markt waren, hatten meist Jahre Erfahrung mit Sojadrinks. Dazu kommt: Hafer ist ein robustes, günstiges Getreide mit eigenem Aroma, das viele Menschen mögen. Der Geschmacksvorsprung gegenüber Reis- oder Sojadrinks erklärt zu einem guten Teil, warum Hafer 2020 die anderen Pflanzendrinks überholt hat.
Das Jahr 2020 als Kontext
Der Test fiel in ein Jahr, in dem Pflanzendrinks so stark gewachsen sind wie nie. Homeoffice, geschlossene Cafés, mehr Kaffee zu Hause: Viele haben in diesem Jahr zum ersten Mal selbst einen Haferdrink aufgeschäumt. Oatly war das Symbol dieser Phase, mit Lieferengpässen und Preisen deutlich über der Eigenmarke. Die Eigenmarken der Discounter und Drogerien standen im Warentest allerdings gleichauf mit den Markenprodukten und das war für viele Leser die eigentliche Nachricht.
Wie du das Ergebnis heute nutzen kannst
Als Beleg dafür, dass Haferdrinks als Kategorie sauber und ordentlich hergestellt sind: ja. Als Einkaufsliste: nein. Dafür brauchst du die aktuelle Rezeptur und die steht auf dem Etikett oder in unserer Datenbank mit Prüfdatum. Wer den vollständigen Test mit Rangliste lesen will, findet ihn hinter der Bezahlschranke auf test.de. Wir zitieren daraus bewusst nur die öffentlich verfügbare Zusammenfassung.
Für den Vergleich nach Zucker, Fett, Protein und Anreicherung nutzt du besser die Kategorieseiten. Wenn dir vor allem der Zuckergehalt wichtig ist, der bei Haferdrinks stark schwankt, ist die Seite zu Haferdrinks ohne Zucker der richtige Einstieg. Warum dieser Zucker überhaupt entsteht, obwohl niemand ihn zusetzt, erklären wir in einem eigenen Artikel.
Passend dazu
- Warum Haferdrink süß schmeckt obwohl kein Zucker drin ist
- Öko-Test Haferdrinks 2023: 36 Produkte und ein Durchfaller
Zurück zur Ratgeber-Übersicht oder direkt zur passenden Kategorie.