Drei Jahre nach dem Warentest hat sich Öko-Test im Mai 2023 die Haferdrinks vorgenommen, mit einer deutlich größeren Stichprobe: 36 Produkte, 31 davon Bio, Marken und Eigenmarken quer durch Supermarkt, Discounter, Drogerie und Naturkosthandel. Das Ergebnis liest sich zunächst beruhigend, die Mehrheit war nach Zusammenfassung des Magazins empfehlenswert. Die Nachricht, die hängen blieb, war eine andere: Erstmals fiel ein Haferdrink wegen Schimmelpilzgiften durch.
Was Öko-Test anders macht als Warentest
Öko-Test gewichtet Schadstoffe stärker als Geschmack. Im Labor wurden Mykotoxine, Mineralölbestandteile, Pestizide, Schwermetalle und Keime untersucht, dazu die Deklaration und einzelne Zutaten wie Phosphate. Die Sensorik spielt eine Nebenrolle. Das erklärt, warum ein Produkt, das bei Warentest gut schmecken kann, bei Öko-Test durchfällt: Die Kriterien sind andere, nicht die Produkte.
Der Durchfaller und was er bedeutet
Bei einem Produkt wurde ein erhöhter Gehalt an Schimmelpilzgiften aus der Gruppe der Trichothecene gemessen, konkret T-2- und HT-2-Toxine. Nach Medienberichten zum Test war das der Velike Bio Haferdrink Natur; die Barista-Variante derselben Marke führen wir mit geprüften Nährwerten, ob sie im Test war, geht aus den öffentlichen Angaben nicht hervor. Diese entstehen durch Fusarium-Pilze auf dem Feld, vor allem bei feuchtem Wetter vor der Ernte und Hafer ist dafür empfänglicher als Weizen. Für diese Toxine gibt es bislang keinen verbindlichen EU-Höchstgehalt für Haferdrinks, nur Richtwerte für Getreide. Öko-Test hat gegen einen Orientierungswert bewertet und abgewertet. Das ist legitim und war ein wichtiger Hinweis an die Branche, dass die Rohstoffauswahl bei Hafer mehr Aufmerksamkeit braucht.
Für dich als Käufer heißt es aber nicht, dass Haferdrinks belastet sind. 35 von 36 Produkten hatten kein Problem und das eine betroffene Produkt betraf eine Charge, nicht eine Marke für immer. Wer das damalige Produkt heute kauft, kauft mit hoher Wahrscheinlichkeit eine andere Charge und eine überarbeitete Rohstoffkontrolle.
Bio und Eigenmarken haben gut abgeschnitten
31 der 36 Produkte waren Bio und die schnitten insgesamt nicht schlechter ab als die fünf konventionellen. Das ist bei Öko-Test nicht selbstverständlich, weil Bio-Produkte im Pestizidtest zwar Vorteile haben, bei Mykotoxinen aber nicht automatisch. Auffällig war auch hier: Eigenmarken von Discountern und Drogerien lagen gleichauf mit Markenprodukten. Für die Frage, ob der Aufpreis für die Marke sich lohnt, hat der Test das gleiche Bild geliefert wie Warentest drei Jahre zuvor.
Zwei Punkte aus dem Test lohnen den Blick trotzdem: Bei mehreren Produkten bemängelte Öko-Test Mineralölbestandteile aus der Gruppe der gesättigten Kohlenwasserstoffe, die über Verpackung oder Maschinenöle in Lebensmittel gelangen. Und einige Barista-Drinks wurden wegen zugesetzter Phosphate abgewertet, die das Magazin grundsätzlich kritisch sieht, obwohl sie zugelassen sind und in winzigen Mengen den Schaum stabilisieren. Beides sind Bewertungsentscheidungen des Magazins, keine Grenzwertverstöße.
Der Nebeneffekt: Wer stellt die Eigenmarken her?
Öko-Test veröffentlicht in seiner Produktliste bei einigen Eigenmarken den Produzenten, sofern er ermittelbar ist. 2023 standen dort unter anderem Mona Naturprodukte für dennree, Gronvang Food für Lidl Vemondo und die Hohenloher Molkerei für Kaufland. Das war für viele die erste öffentliche Quelle zu dieser Frage. Wir führen diese Angaben in unserem Markenverzeichnis als datierte historische Hinweise, nicht als aktuelle Tatsache, weil Lohnhersteller wechseln und mehrere der Eigenmarken seither umbenannt wurden.
Was der Test nicht beantwortet
Wie die Drinks im Kaffee funktionieren, ob sie Milch ernährungsphysiologisch ersetzen können und wie sie sich bei Zucker und Anreicherung unterscheiden. Das sind die Fragen, die im Alltag entscheiden und für die es andere Quellen braucht. Der Test ist eine Momentaufnahme der Schadstoffsituation im Frühjahr 2023 und als solche wertvoll. Die vollständige Rangliste liegt hinter einer Bezahlschranke. Wir zitieren nur die frei zugängliche Zusammenfassung und verlinken das Original.
Was seither passiert ist
Der Durchfaller hat eine Diskussion angestoßen, die 2026 zu einer aktualisierten Risikobewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung geführt hat. Das BfR hat dafür neu erhobene Daten zu 162 Pflanzendrinks ausgewertet, darunter 86 Haferdrinks und T-2- und HT-2-Toxine in allen untersuchten Haferdrinks nachgewiesen, in niedrigen Gehalten. Die Bewertung: Das Risiko ist bei realistischem Verzehr niedrig, auch für Kinder, bei sehr hohem Konsum zusammen mit anderen Haferprodukten steigt die Aufnahme. Das ist die fachlich belastbare Einordnung, die 2023 noch fehlte. Wer Bio-Drinks vergleichen will, findet alle geprüften Produkte auf der Seite Bio-Haferdrinks.
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Quellen
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