Ökobilanz von Haferdrink: Was belegt ist und was Marketing

Weniger CO2, weniger Fläche, weniger Wasser als Kuhmilch, das ist gut belegt. Der Rest hängt von Herkunft, Verpackung und Systemgrenze ab.

Auf fast jeder Haferdrink-Packung steht irgendetwas mit Klima. Manche Hersteller drucken eine CO2-Zahl je Liter aufs Etikett, andere ein Blatt, andere einen Satz über Bauern in der Region. Was davon stimmt? Die kurze Antwort: Der Vergleich zu Kuhmilch fällt eindeutig aus und zwar unabhängig davon, wer rechnet. Die genaue Zahl dagegen hängt von so vielen Annahmen ab, dass ein Wert auf der Packung ohne Kontext kaum etwas sagt.

Was belegt ist

Pflanzendrinks verursachen im Allgemeinen deutlich weniger Treibhausgasemissionen als Kuhmilch und brauchen weniger Fläche und Wasser. Die Verbraucherzentrale nennt für Pflanzendrinks etwa ein Viertel bis die Hälfte der Emissionen von Kuhmilch. Eine peer-reviewte Ökobilanz aus dem Jahr 2022 kommt für ein konkretes Haferdrink-System auf noch größere Unterschiede. Der Grund ist simpel: Kühe sind Wiederkäuer und produzieren Methan, ein Treibhausgas, das über zwanzig Jahre etwa achtzigmal so stark wirkt wie CO2. Dazu kommt der Futteranbau. Ein Haferfeld liefert das Getreide direkt, ohne Umweg über ein Tier.

Warum die Zahlen trotzdem schwanken

Eine Ökobilanz braucht Systemgrenzen. Rechnet man nur den Anbau? Oder auch Verarbeitung, Verpackung, Transport, Kühlung im Laden, Entsorgung des Kartons? Bezieht man sich auf einen Liter, auf eine Kalorie oder auf ein Gramm Eiweiß? Bei Eiweiß sieht Milch besser aus, weil sie viel mehr davon enthält. Kommt der Hafer aus Schweden, Deutschland oder Kanada? Läuft die Fabrik mit Ökostrom? Jede dieser Entscheidungen verschiebt das Ergebnis und zwar deutlich. Deshalb liegt ein Haferdrink je nach Studie zwischen 0,3 und 0,9 Kilogramm CO2-Äquivalent je Liter, Kuhmilch zwischen 1,2 und 3. Die Richtung bleibt gleich, die Zahl nicht.

Herstellerangaben richtig lesen

Oatly veröffentlicht seit Jahren produktbezogene Klimazahlen auf der Packung, berechnet von einem externen Dienstleister. Das ist transparenter als das meiste im Regal. Trotzdem ist es eine Herstellerangabe: Systemgrenzen und Annahmen legt der Hersteller fest, geprüft wird nach dessen Auftrag. Wir speichern solche Werte in der Datenbank, aber mit dem Vermerk "Herstellerangabe", zusammen mit Herausgeber, Bezugsgröße und Basisjahr. Ein unabhängiger Wert steht daneben nur, wenn eine wissenschaftliche Studie ihn liefert und das ist selten. Was wir nicht tun: einen eigenen CO2-Score erfinden. Der wäre genauso angreifbar wie jede Herstellerzahl, nur ohne deren Datengrundlage.

Herkunft: Deutschland ist nicht gleich Deutschland

"Hergestellt in Deutschland" steht auf vielen Packungen und sagt nichts über den Hafer. Der kann aus Skandinavien, dem Baltikum oder Übersee kommen. Nur wenige Marken belegen regionale Herkunft, etwa Velike mit Schwarzwald-Hafer, Havelmi aus Brandenburg oder Ährenbrüder. Transport macht bei Getreide einen kleineren Anteil an der Bilanz aus als viele denken, weil Schiff und Bahn effizient sind. Für Bodenschutz, Fruchtfolge und regionale Landwirtschaft ist die Herkunft trotzdem relevant. Wir führen sie als eigenes Merkmal, aber nur mit Beleg.

Verpackung: Karton oder Glas

Der Verbundkarton ist leicht, stapelbar und braucht keine Kühlung, hat aber ein Recyclingproblem, weil Papier, Kunststoff und Aluminium getrennt werden müssen. Die Mehrwegglasflasche, die Voelkel und Havelmi nutzen, wird bis zu fünfzig Mal befüllt, ist aber schwer und muss gekühlt und zurücktransportiert werden. Welche Variante besser abschneidet, hängt vom Transportweg ab: Bei kurzen regionalen Wegen gewinnt das Mehrwegglas, bei langen der Karton. Pulver und Konzentrate sparen beim Transport das Wasser, brauchen aber Energie zum Trocknen. Auch hier gilt: keine pauschale Antwort, aber ein klarer Blick auf die Verpackungsart bei jedem Produkt.

Was du damit anfangen kannst

Wer wegen des Klimas von Milch auf Haferdrink umsteigt, macht nichts falsch. Der Effekt ist groß und robust belegt. Wer zwischen zwei Haferdrinks wegen des Klimas wählen will, wird es schwer haben, weil die Unterschiede klein sind und in der Messunsicherheit verschwinden. Sinnvoller ist dann der Blick auf das, was sich prüfen lässt: Bio-Siegel, belegte Herkunft, Verpackungsart, Mehrwegsystem. Das speichern wir und das zeigen wir. Für den Rest wären wir Wahrsager.

Aktualisierung August 2026: GFI Europe hat im Juni 2026 Handelsdaten für 2025 veröffentlicht: 632 Millionen Euro Umsatz mit pflanzlichen Drinks in Deutschland, ein Volumenanteil von 9,2 Prozent am Milchmarkt. Die Kategorie wächst weiter, was die Frage nach belastbaren Umweltdaten drängender macht. Wir haben die Quelle ergänzt.

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Porträtfoto: Die Redaktion von haferdrinks.de

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