Eigenmarke oder Markenprodukt: Lohnt der Aufpreis beim Haferdrink?

Der Preisunterschied ist groß, der Unterschied in der Zutatenliste oft klein. Woran du erkennst, ob sich der Aufpreis lohnt.

Ein Liter Oatly Barista kostet im Frühjahr 2022 rund 2,50 Euro, der Barista-Drink der Discounter-Eigenmarke um einen Euro. Der Faktor zwei bis drei ist bei Haferdrinks normal und größer als bei den meisten anderen Lebensmitteln. Die Frage ist nicht, ob die Eigenmarke billiger ist. Die Frage ist, was du für den Aufpreis bekommst und die Antwort lautet: manchmal etwas, oft nichts und in ein paar Fällen etwas anderes als du denkst.

Woher der Preisunterschied kommt

Die Rohstoffkosten eines Haferdrinks sind niedrig: Hafer, Wasser, etwas Öl. Was ein Markenprodukt teurer macht, ist Marketing, Vertrieb, Verpackungsdesign und die Marge einer Marke, die international wächst. Eigenmarken sparen an all dem. Sie werden von Lohnherstellern abgefüllt, deren Werke ohnehin laufen und der Händler kalkuliert sie als Frequenzbringer. Dazu kommt 2022 die Inflation: Energie, Verpackung und Logistik sind teurer geworden und Markenhersteller geben das schneller weiter als Händler, die ihre Eigenmarke als Preisanker brauchen.

Was in der Zutatenliste steht

Hier wird es interessant. Vergleicht man die Zutatenlisten, sind sich viele Produkte erstaunlich ähnlich: Wasser, Hafer zwischen 8 und 15 Prozent, Rapsöl oder Sonnenblumenöl, Meersalz, bei Barista ein Säureregulator. Die Unterschiede liegen im Detail und sind genau die Stellen, auf die du achten solltest.

  • Haferanteil: Markenprodukte nennen ihn fast immer, Eigenmarken nicht immer. 10 Prozent gegen 15 Prozent macht beim Geschmack einen Unterschied.
  • Ölsorte und Menge: Ein Barista-Drink mit 3 Prozent Fett schäumt anders als einer mit 2 Prozent.
  • Anreicherung: Alpro setzt Calcium, B2, B12 und D2 zu. Die meisten Bio-Eigenmarken dürfen das nicht.
  • Soja: Einige Eigenmarken-Barista-Drinks sind Hafer-Soja-Mischungen. Steht klein auf der Rückseite.
  • Bio: Viele Eigenmarken sind Bio, viele Markenprodukte nicht. Das dreht das übliche Bild um.

Der stille Vorteil der Eigenmarke

Weil Eigenmarken im Bio-Segment so stark sind, kaufst du bei dm, Rossmann, Alnatura oder Penny mit dem günstigeren Produkt oft das strengere Siegel. Bei enerBiO und Berief steht sogar Naturland auf der Packung, ein Verbandssiegel mit strengeren Regeln als EU-Bio. Ein konventionelles Markenprodukt für den doppelten Preis liefert dafür Anreicherung, die Bio nicht liefern darf. Es kommt also darauf an, was du willst: Siegel oder Nährstoffe. Beides zusammen gibt es selten. Die Bio-Seite unserer Datenbank zeigt, welche Bio-Haferdrinks es aktuell gibt und die meisten davon sind Handelsmarken.

Der Nachteil der Eigenmarke

Transparenz. Wer den dmBio Haferdrink herstellt, steht nicht auf der Packung. Wer den Lieferanten wechselt, ändert die Rezeptur, ohne dass du es auf der Vorderseite siehst. Bei einer Marke weißt du, wer dahintersteht und Rezepturänderungen fallen schneller auf, weil mehr Leute hinschauen. Das ist kein Qualitätsargument, aber ein Argument für alle, die auf eine bestimmte Zusammensetzung angewiesen sind, etwa wegen Zöliakie oder Soja-Allergie. Da hilft nur: Etikett lesen, jedes Mal.

Und der Geschmack?

Der Warentest 2020 hat Eigenmarken und Markenprodukte gleichauf bewertet. Das deckt sich mit dem, was wir in eigenen Blindverkostungen sehen: Wer den Unterschied zwischen Oatly und der Discounter-Variante erkennt, erkennt ihn meist an der Süße und der Cremigkeit, nicht an der Qualität. Beides sind Rezepturentscheidungen, keine Preisklassen. Im Kaffee ist es ähnlich. Schaum hängt an Fett, Eiweiß und Säureregulator und die hat der Ein-Euro-Barista genauso wie der für 2,50.

Wann sich die Marke lohnt

Wenn du eine Rezeptur brauchst, die es als Eigenmarke nicht gibt: Anreicherung mit B12 und Calcium (Alpro), eine glutenfreie Barista-Variante, ein Frischeprodukt aus regionalem Hafer, Mehrwegglas. Wenn du Wert auf Herkunftstransparenz legst und der Hersteller sie liefert. Oder schlicht, wenn dir ein bestimmter Geschmack gefällt und der Aufpreis dir das wert ist. Das ist eine legitime Entscheidung. Nur die Annahme, teurer sei automatisch besser, hält dem Blick auf die Rückseite nicht stand.

Aktualisierung Juli 2026: Nach den von GFI Europe ausgewerteten Handelsdaten stellten Handelsmarken 2025 rund 60 Prozent des Verkaufsvolumens bei Pflanzendrinks in Deutschland. Der Trend aus diesem Artikel hat sich also fortgesetzt. Mehrere Eigenmarken heißen inzwischen anders, dazu gibt es einen eigenen Beitrag.

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Porträtfoto: Die Redaktion von haferdrinks.de

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