Mykotoxine in Haferdrinks: Was die BfR-Bewertung 2026 bedeutet

86 Haferdrinks untersucht, in allen T-2- und HT-2-Toxine nachgewiesen. Warum das BfR trotzdem von einem niedrigen Risiko spricht.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat seine Einschätzung zu Schimmelpilzgiften in Pflanzendrinks aktualisiert, auf Basis neu erhobener Daten zu 162 Produkten, darunter 86 Haferdrinks. Die Schlagzeile könnte alarmierend klingen: T-2- und HT-2-Toxine wurden in allen 86 Haferdrinks nachgewiesen, Deoxynivalenol in 67. Die Bewertung dahinter ist es nicht. Beides gehört zusammen und genau dieses Zusammen ist der Grund für diesen Artikel.

Was Mykotoxine sind und warum Hafer betroffen ist

Mykotoxine sind Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die auf dem Feld wachsen, vor allem Fusarium-Arten bei feuchtem Wetter vor der Ernte. Deoxynivalenol, kurz DON, ist das häufigste Fusarium-Toxin in Getreide. T-2 und HT-2 gehören zur selben Gruppe, sind giftiger, kommen aber in kleineren Mengen vor. Hafer ist anfälliger als Weizen, weil seine Spelzen den Pilzen Halt bieten und die Pflanze später reift. Die Toxine überstehen Erhitzen und Verarbeitung weitgehend und landen deshalb auch im Drink. Das ist keine neue Erkenntnis, aber die Datenlage für Pflanzendrinks war bisher dünn.

Was das BfR gemessen hat

DON wurde in 67 von 86 Haferdrinks nachgewiesen, in Gehalten, für die das BfR gesundheitliche Beeinträchtigungen als unwahrscheinlich einstuft. T-2 und HT-2 fanden sich in allen 86 Haferdrinks. Für diese Toxine hat das BfR realistische Verzehrsszenarien für Kinder von einem halben bis unter sechs Jahren durchgerechnet, weil Kinder je Kilogramm Körpergewicht mehr aufnehmen. Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung wird als niedrig bewertet. Bei hohem langfristigem Verzehr zusammen mit weiteren Haferlebensmitteln wie Haferflocken oder Porridge steigt die Gesamtaufnahme. Das ist der Satz, den man behalten sollte.

Weder verharmlosen noch dramatisieren

Wer schreibt "in allen Haferdrinks Schimmelpilzgifte gefunden", sagt die Wahrheit und erzeugt Angst. Wer schreibt "Haferdrinks sind unbedenklich", sagt fast die Wahrheit und unterschlägt den Hinweis auf hohen Verzehr. Die fachlich saubere Version: Die gemessenen Gehalte liegen im Bereich, in dem auch Haferflocken, Brot und andere Getreideprodukte liegen. Für die durchschnittliche Ernährung ergibt sich kein relevantes Risiko. Für ein Kleinkind, das täglich mehrere Gläser Haferdrink trinkt und dazu Haferbrei isst, summiert sich die Aufnahme und Abwechslung bei den Getreidesorten ist die einfachste Gegenmaßnahme. Das gilt übrigens unabhängig von Mykotoxinen.

Was seit dem Öko-Test 2023 passiert ist

Öko-Test hatte 2023 ein Produkt wegen erhöhter T-2- und HT-2-Gehalte durchfallen lassen und damit die Diskussion angestoßen. Die BfR-Bewertung liefert jetzt die breitere Datenbasis, die damals fehlte. Sie zeigt: Der damalige Befund war kein Ausreißer einer Marke, sondern die Kategorie hat grundsätzlich niedrige, messbare Gehalte, die je nach Erntejahr und Rohstoffherkunft schwanken. Für Hersteller heißt das, Hafer sorgfältiger auszuwählen und Chargen zu prüfen. Für Käufer heißt es, keine Panik, aber auch keine Illusion, dass "Bio" oder "regional" hier automatisch besser abschneidet. Die Pilze kennen kein Siegel.

Gibt es Grenzwerte?

Für DON gibt es EU-Höchstgehalte für Getreide und Getreideerzeugnisse. Für T-2 und HT-2 gab es lange nur Richtwerte, die EU hat inzwischen Höchstgehalte für bestimmte Getreideprodukte eingeführt. Für Pflanzendrinks selbst existieren keine eigenen Höchstgehalte, weshalb Tests und Behörden mit Ableitungen aus den Getreidewerten arbeiten. Das ist ein Grund, warum verschiedene Quellen zu unterschiedlichen Bewertungen kommen können, obwohl sie dieselben Messwerte haben.

Was wir daraus machen

Wir werden Mykotoxine nicht selbst messen, das ist Laborarbeit. Was wir tun: Rückrufe und behördliche Warnungen mit Charge und Datum erfassen, sobald es welche gibt und Testergebnisse Dritter mit Jahr und Produktversion nennen. Was wir nicht tun: Produkte pauschal als belastet oder unbelastet markieren, weil das eine Aussage über eine Charge wäre, die längst nicht mehr im Regal steht. Wer sich für die Rohstoffseite interessiert, findet die Herkunftsangaben in den Produktdaten, etwa bei den Pulvern und Konzentraten, bei denen der Hafer ohne Wasser besonders konzentriert ist und die Frage entsprechend häufiger gestellt wird.

Aktualisierung August 2026: Seit Erscheinen der BfR-Bewertung sind uns keine Rückrufe von Haferdrinks wegen Mykotoxinen bekannt geworden. Wir prüfen die Meldungen der Behörden laufend und tragen sie nach.

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Porträtfoto: Die Redaktion von haferdrinks.de

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