Auf der Vorderseite steht, was verkaufen soll: Barista, Bio, natürlich, ohne Zuckerzusatz, mit Calcium. Auf der Rückseite steht, was drin ist, und zwar in einer Form, die gesetzlich geregelt ist. Wer diese Rückseite lesen kann, braucht die Vorderseite kaum noch. Es dauert zwei Minuten und funktioniert bei jedem Pflanzendrink gleich.
Die Zutatenliste, von hinten aufgezäumt
Zutaten stehen immer in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils. Bei einem Haferdrink beginnt die Liste deshalb praktisch immer mit Wasser, danach kommt Hafer. Was danach folgt, ist die eigentliche Information: Öl, Salz, gegebenenfalls Säureregulator, Verdickungsmittel, Vitamine, manchmal Zucker oder Aroma. Je kürzer die Liste, desto schlichter das Produkt. Vier Einträge bedeuten Wasser, Hafer, Öl, Salz. Zehn Einträge bedeuten eine durchkonstruierte Rezeptur, was für einen Barista-Drink genau richtig sein kann.
Die Prozentangabe hinter dem Hafer
Direkt hinter der namensgebenden Zutat steht eine Prozentzahl, etwa "Hafer 11 %". Diese Angabe ist Pflicht, wenn eine Zutat im Produktnamen vorkommt oder auf der Verpackung hervorgehoben wird. Sie ist die ehrlichste Zahl auf der ganzen Packung, denn sie sagt, wie viel Rohstoff tatsächlich drinsteckt. Üblich sind 8 bis 15 Prozent. Alles darunter ist ein sehr verdünnter Drink, was bei einigen milchähnlichen Rezepturen mit Sojaanteil vorkommt und dort auch Sinn ergibt.
Die Nährwerttabelle und ihre Pflichtzeilen
Sieben Angaben müssen je 100 Milliliter genannt werden: Energie, Fett, davon gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, davon Zucker, Eiweiß und Salz. Ballaststoffe sind freiwillig, deshalb fehlen sie bei vielen Produkten, und das ist kein Versäumnis des Herstellers. Für den Alltag reichen drei Zeilen: Zucker sagt, wie süß der Drink schmeckt, Fett sagt, wie cremig er ist und ob er schäumen kann, Eiweiß sagt, ob er als Milchersatz taugt. Alle Werte im direkten Vergleich stehen im Produktfinder.
Ein häufiger Irrtum: Manche Packungen nennen zusätzlich Werte je Portion, etwa je 200 Milliliter. Beim Vergleich zweier Produkte immer die 100-ml-Spalte nehmen, sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen.
Die drei Zuckerangaben und was sie unterscheidet
"Zuckerfrei" ist rechtlich definiert und bedeutet höchstens 0,5 Gramm je 100 ml. "Zuckerarm" bedeutet höchstens 2,5 Gramm. "Ohne Zuckerzusatz" bedeutet nur, dass niemand Zucker hinzugefügt hat, der natürlich entstandene Zucker aus der Haferstärke ist trotzdem drin, oft vier bis sechs Gramm. "Ungesüßt" ist gar nicht geregelt und sagt rechtlich nichts. Die Reihenfolge zum Merken: Auf die Nährwerttabelle schauen, nicht auf die Vorderseite. Welche Produkte tatsächlich unter der Grenze liegen, steht auf der Seite Haferdrinks ohne Zucker.
Allergene erkennt man an der Schrift
Allergene müssen in der Zutatenliste hervorgehoben sein, meist fett gedruckt. Bei Pflanzendrinks sind das vor allem Soja, Schalenfrüchte wie Mandeln oder Haselnüsse und bei glutenhaltigen Produkten das Getreide. Darunter stehen manchmal freiwillige Hinweise wie "kann Spuren von Soja enthalten". Diese Spurenhinweise sind nicht vorgeschrieben und ihr Fehlen ist keine Garantie. Wer auf Gluten achten muss, verlässt sich nicht auf die Zutatenliste allein, sondern auf die ausdrückliche Kennzeichnung "glutenfrei", nachzulesen im Ratgeber Glutenfreier Haferdrink und Zöliakie.
Anreicherung steht in eigenen Zeilen
Wenn Calcium, Jod oder Vitamine zugesetzt sind, taucht das zweimal auf: als Zutat in der Liste, meist als Calciumcarbonat oder Tricalciumphosphat, und als eigene Zeile unter der Nährwerttabelle mit Menge und Prozentsatz der Referenzmenge. Diese Prozentangabe bezieht sich auf einen Durchschnittserwachsenen und ist der beste Anhaltspunkt dafür, ob die Anreicherung im Alltag etwas bringt. 120 Milligramm Calcium je 100 ml entsprechen etwa dem Gehalt von Kuhmilch. Welche Produkte anreichern, steht auf der Seite Haferdrinks mit Calcium und Vitaminen.
Was auf der Vorderseite nichts wert ist
Ein paar Begriffe klingen nach Prüfung und sind keine: "natürlich", "rein", "hochwertig", "traditionell" und Abbildungen von Höfen und Feldern sind rechtlich nicht geregelt. Auch "hergestellt in Deutschland" sagt nur, wo abgefüllt wurde, nicht wo der Hafer wuchs, mehr dazu im Ratgeber Woher kommt der Hafer. Geregelt und damit belastbar sind dagegen: das EU-Bio-Siegel, die glutenfrei-Kennzeichnung, Nährwert- und Gesundheitsangaben und die Prozentangabe hinter der Hauptzutat.
Die Zwei-Minuten-Routine
- Prozentangabe hinter Hafer suchen, das ist die Substanz.
- Zutatenliste zählen: vier Einträge ist schlicht, zehn ist konstruiert.
- In der Tabelle Zucker, Fett und Eiweiß lesen, je 100 ml.
- Fettdruck prüfen, das sind die Allergene.
- Bei Anreicherung die Prozentzahl der Referenzmenge ansehen.
- Erst danach auf die Vorderseite schauen, wenn überhaupt.
Passend dazu
- Warum Haferdrink süß schmeckt obwohl kein Zucker drin ist
- Glutenfreier Haferdrink und Zöliakie: Warum die Kennzeichnung zählt
Quellen
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